Körper - Geist - Seele

Gefühle gehören zum natürlichen, inneren Bestand des Menschen, zum Sein, zu seinem Leben. Sie sorgen im Zusammenklang mit den körperlichen Funktionen für ein harmonisches Gesamtwirken im Menschen. Jede Störung, jede Veränderung dieses Gleichgewichts kann den Körper und das psychomentale Bewusstsein in Dissharmonie oder sogar in Krankheit führen. Emotionen bewegen den Menschen und sind Reaktionen auf äußere oder innere Ergebnisse. Wenn man sich als Mensch den Geschehnissen des Lebens flexibel anpassen kann und MIT dem Leben und nicht GEGEN das Leben geht, dann kann man auch schwierige und krisenhafte Lebenssituationen ohne größeren Schaden überstehen.
Ist man aber verhärtet und unbeugsam und stellt sich mit Macht gegen die Wechselfälle des Lebens und des Alltags, dann läuft man Gefahr, an ihnen zu zerbrechen wie eine Porzellantasse, die zu Boden fällt.

Nichtachtung psychischer Bedürfnisse
Ein ausgeglichenes Seelenleben ist an bestimmte Grundbedürfnisse gekoppelt. Werden diese erfüllt, geht es uns seelisch gut. Wir fühlen uns ausgeglichen, lebensfroh und glücklich. Wir können adäquat und angemesen auf die verschiedensten Situationen reagieren und Konflikte lösen. Wenn es notwendig ist, können wir schreien, wütend sein oder weinen, lachen, singen oder tanzen oder lustig sein. Kinder kennen dieses Zustand normalerweise, wenn ihre Kindheit unbeschwert war und sie eine sichere Bindung zu ihren Eltern, zu Bezugspersonen erlebt haben. Erwachsene haben dieses gelöste und freie Lebensgefühl oft wieder verlernt. Die Verwicklung und Verpflichtung des Erwachsenenlebens, schwierige Lebensumstände, Begrenzungen und Einengungen oder fehlende Entfaltungsmöglichkeiten lassen viele Menschen als beschwerlich, nicht zu ändern oder auch trostlos erscheinen.

Psychische Bedürfnisse, die es gilt wiederzuentdecken bzw. wiederzuerlangen können z.B. sein:
- Sicherheit, Struktur und Stabilität
- Anerkennung, Selbstwert, Selbstachtung, Respekt und Bedeutung
- Zugehörigkeit, Gemeinschaft, Beziehung, Unterstützung und Fürsorge
- Berührung und Kontakt
- Aufgabe und Leistung
- Ausdruck und Raum

Nichtachtung spiritueller Bedürfnisse
Kirche und Religion sind für viele Menschen nicht mehr aktuell. Sie werfen ihren Vertretern und Institutionen Enge, Engherzigkeit, Dogmatismus, Scheinheiligkeit, Lebensfeindlichkeit, Hierarchie, Obrigkeitsdenken oder Bigotterie vor. Dabei gibt es eine innere Kirche und eine innere Religion in jedem Menschen, die sicher nichts mit der äußeren Institution gemein haben muss. Spiritualität ist eine tiefe Beziehung, die die Menschen in allen Kulturen und zu allen Zeiten bewegt und begleitet hat. Im Zentrum stehen z.B. Fragen nach dem Göttlichen oder dem Weg der Schöpfung. Fragen wie, wer bin ich und woher komme ich und wohin gehe ich. In jedem Mensch lebt die Sehnsucht nach Identifikation mit etwas Höherem. Dieses Konzept ist jedoch begrenzt, denn jeder Mensch ist mit der Endlichkeit, dem Tod, dem Ende des irdischen Daseins konfrontiert.

Ein leidender Mensch erlebt die ganze Palette der Gefühle von Angst, Wut, Verzweiflung, Groll, Kummer, Sorgen, Mutlosigkeit und Depression. So zwingt gerade die Krankheit den Menschen dazu, sich mit den Fragen ihrer wirklichen Identität auseinanderzusetzen. Somit kann Krankheit zum Symbol und zum Schlüssel der Selbstbefreiung werden. Diese Aspekte mit in einen gesamttherapeutischen Prozess miteinzubeziehen erscheint mir daher wesentlich.

Quellen:
Platsch, Klaus-Dieter, Psychosomatik in der chinesischen Medizin, Elsevier 2005
Martin, William Das Tao T King für Eltern, Aurium 2014
Beerlandt, Christiane, Der Schlüssel zur Selbstbefreiung, Beerlandt Publications, 2014
Tepperwein, Kurt, Was dir deine Krankheit sagen will, mvgVerlag 2014
Dahlke, Ruediger, Krankheit als Symbol, Bertelsmann 2014